17 Okt 2013

Jenseits von Lampedusa

Submitted by ebertus

Wie hälst Du es mit Einwanderung, gar mit Asyl? Die Antworten dürften unterschiedlicher nicht ausfallen und soweit bei dem/der Antwortenden eine gewisse Intellektualität unterstellt, gar ein berufsoffizieller Status gegeben ist, so werden diese Einlassungen im günstigsten Falle differenziert sich darstellen, in der Regel eher relativierend bis unverbindlich bleiben. Betroffenheit dagegen geht immer ...

Die aktuelle Flüchtlingskatastrophe mit hunderten von Toten vor der italienischen Insel Lampedusa wird zur Zeit EU-weit intensiv diskutiert. Mehr vielleicht in den direkt betroffenen bzw. zuständigen Staaten und bei den Menschen, als bei denen, die vielleicht im Nachhinein tangiert sind, die dennoch ein Interesse daran haben, auf europäische Entscheidungen Einfluß zu nehmen. Neben der offiziellen Politik geht die Diskussion in mehr oder weniger intensiver Art und Weise durch beinahe alle Schichten der Gesellschaft; und dies nicht immer sachlich, weil Betroffenheit bzw. das möglich Nichtwürdigen von Betroffenheit neben dem Konstatieren von Hilflosigkeit auch Aggression erzeugen kann.

Frei nach Marx wo einerseits und in der Regel das Sein das Bewußtsein bestimmt, wo andererseits und abhängig vom intellektuellen Differenzierungsvermögen durchaus Überlegungen jenseits des eigenen Wohl und Wehe möglich sind, so gibt es ganz unterschiedliche Sichtweisen auf das Thema Einwanderung - oder eben auch Asyl. Denn hier fängt das Differenzieren bereits an, sollte schon klar sein wovon die Rede ist, sich beide Komplexe natürlich gegenseitig überlagern; ohne kausal von einander abhängig zu sein. Es muss jedoch sehr ernsthaft konstatiert werden, dass große Teile der Menschen (hierzulande) diese vorgenannte Differenzierung nicht machen können, nicht leisten wollen. Und genau hier setzen meine Überlegungen an, wenn Betroffenheit nebst intellektueller Spreizung sich in den Elfenbeinturm einer fiktiv erträumten schönen neuen Welt zurück zieht - oder eben die erkannte (eigene) Hilflosigkeit durch Aggressivität kompensieren wollte.

Beim Freitag, eine Internetcommunity von überwiegend Menschen, welche zu Reflektion und Differenzierung fähig sind wird Lampedusa in diversen Blogbeiträgen ebenfalls diskutiert. Die bislang letzten Texte stammen von e2m bzw. DvW und letztere hat in ihrem Blog, in der dortigen Infoleiste entsprechende Links zu den anderen Blogbeiträgen beim Freitag eingestellt. Auch auf meinen kleinen, etwas anderen Freitagsblog wird da verlinkt. Wobei und das sei zugegeben, basiert dieser im Wesentlichen auf einem Text, der hier auf meiner Website bereits im Januar 2012 veröffentlicht wurde. Ja! Kunst und Kultur im weiten Sinne kann ebenfalls Ausdruck von Hilflosigkeit sein; ohne Aggression... Was ich vielleicht eher meine, zum Ausdruck bringen wollte, das sei hier als Kopie zweier meiner Kommentare wiederholt, die gestern in besagten Blog von DvW eingestellt wurden:

Wie soll beispielsweise die

"Einführung halbwegs anständiger Flüchtlingsstandards auf EU-Ebene"

konkret aussehen. Eine Frage, die meinerseits und abseits vom Freitag auch mit dem "juristischen Sachverstand" einer Bloggerin nicht immer in Übereinstimmung gebracht werden konnte. Sind es qualitative oder quantitative Standards; oder gar beides bzw. nichts davon?

Das Land hier ist nicht leer, und dies meint nicht die geografische Ausdehnung im Verhältnis möglicherweise zur Bevölkerungszahl, sondern das nicht leere Denken derer, die bereits hier sind; eben kein Arendt'scher Neubeginn qua Geburt. Und auch kein Jungbrunnen an zahlenmäßig eher marginaler, verstehender Intellektualität; eher Ausdruck derer Hilflosigkeit, mich eingeschlossen.

 

Und dann, als meine Antwort auf entsprechende Einlassungen von e2m und DvW:

Ja, werde mir die 64 Seiten PDF dieses Schweizer "Grassroots" Thinktank mal runterladen, ausdrucken und im Ohrensessel lesen; mit Sicherheit dann weitgehend konform gehen.

Der erste Kommentator dort bei "foraus" bringt es dennoch wohl bereits auf den Punkt:

..."Mal redet ihr von Entwicklung (und definiert diese nicht genau) und mal von Entwicklungshilfe."...

a) würde ich diese fehlenden, wohl nicht spezifizierten Definitionen nicht in primär juristischer Fachliteratur nachlesen wollen, Auch nicht in umfangreichen Statements via grassroots - sondern in wenigen, aussagefähigen Sätzen nebst realitätsnaher Beispiele konkreten Seins - und

b) ist es ja genau dieses Spannungsverhältnis von Zuwanderung vs. Entwicklungshilfe (herkömmlicher Art?). Das, was die aktuellen Weltordnungskriege, das Nationbuilding der Brunnenbohrer und Mädchenschulenbauer etc. sprich: unsere globalen wirtschaftlichen Interessen (Dank an Ex BuPrä Köhler) zunehmend infrage stellen, diese Art "Völkerwanderung" nicht nur implizit auslösen - sowie

c) eben das von verstehender intellektueller Seite gern verdrängte nichtleere Denken zumindest auf den diskursiven Radarschirm zu nehmen, eine wenigstens theoretische Adressierung vorzunehmen,  Szenarien und mögliche Konsequenzen anzudenken.

 

Vielleicht sind meine Trigger zu provozierend im Sinne der hier eingangs festgestellten, bewußten Unverbindlichkeit. Natürlich, ich verstehe das wohl und auch in der Anonymität hat man(n)/frau einen entsprechenden Ruf, wollte sich nicht über Gebühr angreifbar machen bei einem Thema wo nichts zu gewinnen ist. Nur für mich ist dieses Thema und im Sinne des nicht leeren Landes, eine Frage von ganz grundsätzlicher Bedeutung für die Gesellschaft. Nicht weil ich selbst umgehend und direkt von möglichen bis jedweden Auswirkungen betroffen wäre. Aber mir ist sehr klar, das es viele Menschen hierzulande sind, noch viel mehr dies glauben - berechtigterweise oder auch nicht. Noch mehr Klartext?

Eine Gesellschaft, die immer weiter auseinander driftet in wenige, fast alles Besitzende und viele, viele Habenichtse, eine Gesellschaft, welche sich ein menschenverachtendes HartzIV-System leistet, darüber Sanktionen in immer größerem Ausmaß und als weitgehenden Selbstzweck, sprich: Disziplinierung und Domestizierung exekutiert, eine Gesellschaft deren zunehmende prekäre Arbeits- und Lebensverhältnisse bis weit in das sog. akademische Proletariat hineinreichen, eine derartige Gesellschaft betreibt schon bei legaler Einwanderung -und ab 2014 fallen wohl die letzten Schranken in der erweiterten EU- ihre eigene Unterminierung. Ein bis zwei Generationen wären wohl anzusetzen, diese notwendigen Prozesse gesellschaftlichen Zusammenwachsens zu organisieren. Zumal die einheitliche, eine darüber verbindende Sprache fehlt, rein ökonomische Prioritäten zunehmend viele Menschen faktisch überflüssig machen. 

Bei legalem Asyl -und konkrete Größenordnungen, Modalitäten, Kontingente etc. werden ja auch von den sich berechtigt betroffen zeigenden, zu intellektueller Differenzierung fähigen Diskussionsteilnehmern nicht genannt- geht es nicht darum, in irgendweiner Form "das Boot ist voll" zu rufen; was sich möglicherweise auf die geografische Fläche in Bezug auf die darin lebenden Menschen beziehen wollte, ansonsten und beinahe reflexartig in dumpf rechtes Denken einzuordnen wäre. Es geht vielmehr darum, den bereits existierenden Menschen in einem nicht leeren Land die insoweit notwendigen (Mindest)Rahmenbedingungen zu schaffen, damit auch und gerade die Schwachen die noch schwächeren Fremden ohne einen zu großen, ohne substantiellen Widerstand akzeptieren. Diejenigen Wenigen, welche eh' in den sog. Gated Communities leben wird das weniger interessieren, ist es im Wesentlichen eine Frage der Aufrüstung, der Verteidigung von Besitz und Existenz. Diejenigen und ebenfalls Wenigen jedoch, welche und in der Regel ohne relevanten (materiellen) Besitz zu Reflektion und Differenzierung fähig sind, sie sollten den Elfenbeinturm verlassen und über eine Betroffenheit hinaus die faktische, die erwartbare Realität akzeptieren und dann ernsthaft diskutieren.

 

Letzter, natürlich provozierender Klartext gefällig?

Wie sag' ich's meinem Kinde, sprich: was sage ich einem Menschen im Umfeld (Anfang 40, 50, 60 beispielsweise), der heute schon weiss, dass er bestenfalls noch für SoylentGreen gebraucht wird?

- - - - -

 

Btw. Betroffenheitskultur! Ein böses Wort und dennoch, gerade gesehen. Ein Kommentar von @OBERHAM und mich, meine Einlassungen dort meint der Kommentator in diesem DvW-Blog vielleicht ebenfalls. Ok, partiell angekommen und dennoch, gerade deshalb war und ist mir dieser Text, das Nachdenken und Aufschreiben hier wichtig

 

Nachtrag - 08.10.2013:

Wie bereits geschrieben, so gab es im Freitagsblog eine kleine, für mich anregende Diskussion mit dem Blogger @Oberham, die mich zu einer (natürlich) wenig respektierlichen Bemerkung veranlasste.

Und wenn ich in dem obigen Link zu "foraus" lese:

"Der Graswurzel-Think-Tank foraus zählt schweizweit über 550 Mitglieder. Die Mehrzahl sind AkademikerInnen, Studierende und junge Berufstätige, welche in ehrenamtlicher Arbeit neue Denkanstösse für die Schweizer Aussenpolitik entwickeln."

so ist dies mit Sicherheit unterstützenswert, ist ein hehres Denken; und dennoch sind (mal böse unterstellt) behütete Töchter und Söhne bürgerlicher Eliten dahingehend vereint, sich eine neue, schöne Welt zu erschließen, die mit dem nur wenig zu tun hat, was eine wachsende Zahl der Menschen gerade in den sog. westlichen Wohlstandsgesellschaften zunehmend und in allem Ernst betrifft.

@Oberham bestätigte in seiner Antwort meine These, dass Hilflosigkeit aggressiv machen kann, sind auch behütete Kinder bürgerlicher Eliten nicht frei davon; wie die später bekannt gewordene Vita vieler RAF-Anhänger dann ergab. Zur konkreten Causa scheint mir diese Weiterung dennoch vollkommen undenkbar, denn die Bedingungen sind nicht so...

Es sind, wie auch @Oberham dann im Prinzip und am Beispiel der/vieler ehemaligen 68er weiter führte, intellektuelle Fingerübungen, ehe es dann darum geht, seinen Platz im bestehenden, im System zu finden und qua Herkunft auch jenseits jeglicher materieller Not. Und genau das brachte mich dann zu der Überlegung, wie es denn mit den oben genannten (Mindest)Rahmenbedingungen aussehen könnte, um dieses nicht leere Land, die Menschen jenseits der Gated Communities oder der Elfenbeintürme intellektueller Betroffenheitsökonomie aufnahmewilliger für Andere(s), Fremde(s) zu machen. Meine Überlegungen beim Freitag, hier zitiert:

Ja, so ein West-Berliner 68er bin ich auch ein Stück weit, wurde dann ebenfalls "vom System" determiniert, das Richtige zu wissen, zu tun. Insofern spricht auch nichts gegen die behüteten Biildungsbürgerkinder; sie müssen ja nicht gleich eine neue RAF gründen...

Andererseits heute, mich ohne existentielle Not nur noch vor den Ärzten krumm machen zu müssen, so denke ich manchmal über ein wohl perspektivisch notwendiges BGE nach, führt dies zurück hier zum Blogthema. Denn nur bei einem total anderen Verständnis von Gesellschaft, von menschlicher Existenz wäre dieses "Problem" namens Asyl etc. möglicherweise lösbar. 

Unter dem aktuellen Paradigma einer postindustriellen und dennoch der Akkumulation von Mehrwert (für Wenige) sklavisch verpflichteten Gesellschaftform scheint dies jedoch unmöglich.

Das sog. "Bedingungslose Grundeinkommen" (BGE) sei hier lediglich als Beispiel, als Synonym für das genannte total andere Verständnis von Gesellschaft, von menschlicher Existenz genannt, wo Schwache eben nicht gegen die noch Schwächeren ausgespielt werden. Nur, und darauf zielt der letzte Satz meines Zitats, ist Nachdenken über eine bessere Zukunft für die Mehrzahl der Menschen Makulatur, soweit das zugrunde liegende Paradigma nicht infrage gestellt wird.

 

ein BGE hat doch für einen Alt-68er bestenfalls Alibifunktion,

genau wie für die selbsternannten Linken, die diese unbezahlbare Monstranz schon lange vor sich her tragen.
Das dürfte den Oberham weder besänftigen, noch wird es für einen signifikanten Anstieg der privaten Bereitschaft zur Aufnahme von Flüchtlingen und Asylsuchenden (geht das bei Letzteren überhaupt?)führen.

http://j.mp/1gjp4Kr

Auch wenn Du Dich dort

@Forenboy als Wiederauferstandener tummelst (keine Angst, werde Dich nicht melden), wenn Du einen Begriff rudimentär verstehst, Dich dann daran hochziehst, so hast Du möglicherweise nichts wirklich verstanden von dem sehr Grundsätzlichen meiner Einlassung. Das BGE ist nur ein Hinweis auf eben dieses Grundsätzliche, hier in meinem Kommentar an @Rahab als Zitat aus der FC nochmals wiederholt.

Über das BGE an sich wollte ich dort nicht diskutieren, würde/wird mir die Blogautorin ansonsten mit Recht einmal mehr die Ohren lang ziehen. Das Thema wäre ein separates, nicht ohne Tiefgang - schreib' doch dazu mal etwas Ernsthaftes...

von mir aus kannst Du Dir Deine Motive, Absichten, Grundsätze

oder was weiß ich schön reden, so lange nachträglich erklären, was Du eigentlich sagen wolltest, ich habe so geantwortet, und bleibe dabei, wie ich es Deinem Kommentar entnommen habe, und da war das BGE die wichtigste genannte grundsätzliche Änderung zum jetzigen System, um Probleme wie Asyl (vermutlich meintest Du aber die Flüchtlinge)in den Griff zu bekommen.

Wenn das also missverstanden wurde, dann solltest Du Dich besser verständlich machen, da sonst immer wieder nachträgliche Erklärungen von Nöten sind.
Was Oberham zu den Verfechtern des BGE gesagt hat, dürfte Dir auch nicht gefallen haben:
"In der Tat, so wie derzeit das BGE propagiert wird, ist es schlicht eine Monstranz der Arroganz, sie entlarvt die Befürworter als einen elitären Haufen, der sich auf einer Insel der Seeligen wähnt."

Da hat der @Oberham recht

bin ich kein Vertreter dessen "so wie derzeit das BGE propagiert wird..."

Und bin darüber hinaus ja auch nicht so allwissend (wie Du?), stelle eigenes Denken, eigene Infragestellung gern in den Mittelpunkt. Daher war und ist für mich das BGE lediglich ein Synonym, der Trigger vielleicht zum Nachdenken über die Anforderungen an eine menschliche Existenz in Zeiten der zunehmenden Überflüssigkeit eben derselben.

immer noch beim schönreden?

warum suchst Du Dir denn kein realistisches und umsetzbares "Synonym" aus, sondern eins, das von vorneherein zum Scheitern verurteilt ist?
Vielleicht doch alles nur Lippenbekenntnisse? Zeitgewinn? Denn ein ernsthafter Versuch kann das ja nicht sein.

Willst Du also die Menschen mit Geld ködern, damit endlich der humanitäre Schalter im Kopf umgelegt wird?
Ich halte das eher für zynisch denn als zielführend.

Noch was: warum ist es so, dass die Partei, die sich den populistischen Schwachsinn mit dem BGE auf ihre Fahnen geschrieben hat, trotzdem von immer weniger Menschen gewählt wird, obwohl sie doch eigentlich an die 100% bekommen müsste, wenn Deine Rechnung mit dem "Synonym" aufginge?

Richtig, weil sogar die potentiellen Anhänger dieser Partei ihr den Blödsinn nicht mehr abkaufen.

Du bleibst im Ungefähren

@Forenboy und dabei gar noch meilenweit hinter dem zurück, was @Rahab richtigerweise an notwendiger Ausweitung von Einwanderung, Zuwanderung, Asyl benennt.

Vor den Klärgrublern, deren (möglicherweise neuen) Nazivorwurf musst Du keine Angst haben. Die sind doch, und so habe ich Kurz wie Sarrazin verstanden eher auf Seiten derer, die Zuwanderung aus dem asiatisch-afrikanischen Raum eh' als Zumutung, als dahingehend Deutschland "sich abschaffend" sehen.

Ja, leg' mal den Schalter um, trau Dich! Sage mal und möglichst konkret, wie denn Deine Optionen in der Sache (Zuwanderung, Einwanderung, Asyl etc.) und jenseits von Blödsinn aussehen.+

In Erwartung...

mir fällt da die voll umfängliche Aufklärung als Voraussetzung

für ein Umdenken ein, der Einfachheit zitiere ich mich mal:

Zunächst wäre eine umfassende Aufklärung "der Bevölkerung" Bedingung, denn "die Mehrheit" hat nicht die geringste Ahnung, was in den Menschen vorgeht, die auf lebensgefährliche Weise ihre Heimat verlassen, um in eine für sie völlig unbekannte Welt zu fliehen.

Den Mut muss ein Mensch erst einmal haben. Ich glaube, niemand von uns wäre bereit dazu.

Mit den notwendigen Informationen dürfte es wesentlich leichter sein, eine zielführende Politik zu installieren, die den Flüchtlingen und Asylanten ein relativ humanes Leben ermöglichen könnte.

Für Oberham gäbe es dann viel zu tun, denn bei diesem Neuanfang könnte auch das Prinzip von Ressourcen-Parität eingehalten werden.

Die SPD hat übrigens als einzige Partei das Flüchtlings- und Asyl-Problem in den Koalitionsverhandlungs-Katalog aufgenommen.

Ja, das unterschreibe ich

@Forenboy, das mit der vollumfänglichen Aufklärung.

Zwei Fragen hätt' ich dennoch. Wie das mit der Aufklärung ganz formal und als Ablauforganisation "rübergebracht" wird scheint im ersten Step vernachlässigbar. Aber das Inhaltliche ist mir wichtig!

Soll diese Aufklärung die Akzeptanz zur Aufnahme erhöhen, sprich: Bist Du für eine substantiell auszuweitende und zu erleichternde Zuwanderung und wolltest nun hier lediglich noch zwischen Einwanderern (qualitativ und quantitativ eher geregelt) und Asylsuchenden (dito eher ungeregelt) unterscheiden, dies (von mir aus gern) noch etwas deutlicher darlegen.

Oder soll diese Aufklärung eine im Grundsatz weitergeführte Abschottung der eigenen Bevölkerung hierzulande erklären, darüber hinaus Akzeptanz erzeugen für die natürlich dann und wohl in wesentlich höherem Maße aufzuwendenden Mittel einer neuen/alten Entwicklungshilfe in den sog. Herkunftsländern; mal die erwartbar andauernden, dahingehend eher kontraproduktiven Weltordnungskriege von Bushama&Co aussen vor gelassen.

wenn Du Dir in Deiner Frage die Diskreditierung Barack Obamas

verkniffen hättest, würde ich sogar antworten.
So nur soviel, dass ich natürlich für eine deutliche Erhöhung der Aufnahme von Asylbewerbern bin, aber auch für eine Entlastung der Schengen-II-Länder (gemeint sind die "Erstbetretungs-Länder") mit einer gerechten Verteilung aller Flüchtlinge auf die gesamte EU. Die bestehende Regelung ist menschen verachtender Schwachsinn.

Wenn das Europaparlament dazu nicht fähig ist, wie es derzeit aussieht, gehören diese Politiker im nächsten Frühjahr bei der Europawahl abgewählt, auch das gehört für mich schon zur Aufklärung.

Mehr verrate ich jetzt aber nicht.

"Abwählen"? das besorgen die,

welche dahingehend doch erst noch "vollumfänglich" aufgeklärt werden müssen, oder?

Dennoch, Danke für diesen Hinweis, diese Facette welche ich in meinem neuen Blogtext noch nicht wirklich benennend, so richtig eingearbeitet habe.

klar, es ist ja noch genug Zeit bis zur EU-Wahl für Aufklärung,

und die aktuellen Ereignisse sind ein "guter" Katalysator, wie auch das gestrige Scheitern des Parlamentes in dieser Frage.

woran

machst du
"Eine Gesellschaft, die immer weiter auseinander driftet in wenige, fast alles Besitzende und viele, viele Habenichtse, eine Gesellschaft, welche sich ein menschenverachtendes HartzIV-System leistet, darüber Sanktionen in immer größerem Ausmaß und als weitgehenden Selbstzweck, sprich: Disziplinierung und Domestizierung exekutiert, eine Gesellschaft deren zunehmende prekäre Arbeits- und Lebensverhältnisse bis weit in das sog. akademische Proletariat hineinreichen, eine derartige Gesellschaft betreibt schon bei legaler Einwanderung -und ab 2014 fallen wohl die letzten Schranken in der erweiterten EU- ihre eigene Unterminierung."
fest?
diese gesellschaft (?) hat sich erst mal ein asylbewerberleistungsgesetz geleistet. hat man hingenommen, betraf einen ja nicht.
das war die blaupause und der testlauf für hatz4.
noch fragen?

was soll ich dir sonst noch sagen? die berufe/tätigkeiten/qualifikationen meiner mandantinnen reichten durchs ganze alef-bet durch vom analphabetischen olivenbäuerlein bis zum promovierten astrophysiker. da ließe sich einiges machen - wenn man denn wollte. man will aber nicht. sondern schickt die leutz lieber für 1-juro laubharken im park.

im übrigen glaube ich, dass die schwächeren mit den fremden schwächeren weniger probleme haben als die, welche in gated communities über noch mehr grenzzaun nachdenken. korbflechter und bürstenbinder finden in Berlin wenn sie glück haben in der werkstatt der blindenstalt in der O-straße noch arbeit. dies nur als hinweis darauf, was alles an fertigkeiten mitgebracht wird, die bei 'uns' nur noch in geschützte werkstätten vorkommen.

Diesen Satz mache ich und wie geschrieben daran fest,

dass "rein ökonomische Prioritäten zunehmend viele Menschen faktisch überflüssig machen." Dies zu adressieren ist Voraussetzung für jedwedes seriöse Weiterdenken in Sachen Asyl, Zuwanderung etc. In der Diskussion mit @OBERHAM beim Freitag ergab sich das Benennen dies Faktums, weswegen ich es hier gern wiederhole:

Denn nur bei einem total anderen Verständnis von Gesellschaft, von menschlicher Existenz wäre dieses "Problem" namens Asyl etc. möglicherweise lösbar.

Unter dem aktuellen Paradigma einer postindustriellen und dennoch der Akkumulation von Mehrwert (für Wenige) sklavisch verpflichteten Gesellschaftform scheint dies jedoch unmöglich.

Denn was mit der aktuellen und erwartbaren Rechtslage einmal mehr geschieht, das benennt Heribert Prantl, der mit Sicherheit den ganzen Overhead an juristischer Begleitung gelesen und verstanden hat, wohl recht gut. Natürlich, auch er bleibt systemkonform im Ungefähren, hat keine wirkliche Lösung. Link

die erwartung, dass

dir irgendwer den ganz großen wurf präsentiert, wird enttäuscht werden. nenn es systemkonform - ist mir egal. in der praxis geht es um das permanente bohren kleiner löcher. man könnte es auch widerstand gegen die rein ökonomischen prioritäten nennen.
und deshalb beharre ich darauf: aktuell geht es darum, endlich weitere legale einwanderungswege zu eröffnen. um endlich diesen großen flucht-wust aufzulösen.
es gibt leute, die haben glasklare asylrelevante gründe im gepäck. und es gibt andere, bei denen ließen sich die politischen gründe zwar auch herauspuhlen, aber die legen von sich aus keinen großen wert darauf. wie der in http://www.sueddeutsche.de/panorama/unfreiwillig-nach-lampedusa-geflohen... porträtierte.

Natürlich hast Du recht,

nur mit dem Bohren kleiner Löcher kann es pragmatisch weiter gehen. Bei größeren Löchern müsste man "sprengen". Das jedoch wird vermieden werden solange es eben geht und kann ansonsten natürlich dann auch ganz ungeplante, nicht erwünschte Weiterungen zeigen.

Ja, ich bin auch für weitere, legale Einwanderungswege. Das würde zumindest den psychologischen Druck etwas lindern, Asyl vielfach ablehnen zu wollen, möglicherweise zu müssen. Dein Beispiel aus der SZ habe ich gelesen und über die Details hinaus ist dieser Mensch im Grunde ja genau dem zum Opfer gefallen, was ich immer mal benenne, sprich: dem Neoimperialismus, dem Nationbuilding primär unserer Führungsmacht.

Dennoch beharre ich ebenfalls auf meinem Erkennen eines zu diskutierenden "das Land ist nicht leer", anstelle des negativ konnotierten "das Boot ist voll" vielleicht. Da dies jedoch gerade bei der von mir thematisierten Betroffenheitsökonomie, sprich: bei Menschen die zu Reflektion und Differenzierung fähig sind weitgehend (ich will nicht einmal sagen: bewußt) aussen vorgelassen, rechten Parolen und Unterstellungen implizit damit gar Raum gegeben wird, das finde ich schon nachdenkenswert.

ja, das land

ist nicht leer. hat das wer behauptet?
aber: der auswanderungssaldo ist hoch, manchmal höher als der einwanderungssaldo. und die menschen werden statts mehr junge älter mit mehr zipperleins.....
alles nachzulesen bei demographen und migrationsforscherinnen.
wie man auch nachlesen kann, wie die ökonomischen prioritäten sonst noch das land verändern, stellenweise auch leer machen.

deine betroffenheitsökonomie kannst du dir sonstwohin stecken. ertrinken ist kein schöner tod. in jedem obduktionsbericht für eine wasserleiche nachzulesen.

in der gestrigen print-taz wurden vier konzepte vorgestellte. humanitärer korridor, resettlement, faire verteilung in EU, gastarbeit. kann man auch kombinieren.
oder eben alles ablehnen. und die migranten zu verbrechern erklären (die kommentar-spalten quellen über von solchem müll).

Diesen Kommentar-Spalten

wollte ich widerstehen und dennoch (meine) Hilflosigkeit eben nicht in Aggression, aber auch nicht in Betroffenheitsökonomie versenken, sondern im Versuch einer -gern sehr eigenwilligen- Reflektion münden lassen; wird (vielleicht heute noch) fortgesetzt!