30 Sep 2010

Bill Bryson's Amerika

Submitted by ebertus

Bildmontage: Bucheinband

Mal wieder eine Buchempfehlung, aber keine Sorge.

Politischer Tiefgang, absolute intellektuelle Höhe und manchmal schon beinahe verbissenes Welterkennen ist hier sekundär, der oft geniale Sprachwitz, die ironische Übertreibung aber auch die im Grunde zugeneigte Distanz zum "American way of life" stehen im Vordergrund.

Beinahe ein "muss", für jeden Amerikafreund mit ebenfalls kritischer Distanz; like me, eben.

 

 

 

 

Ja, da in den 50ern haben die US-Amerikaner ihre "Macke" wegbekommen, absolut technikgläubig ohne Gnade, mit total verrückter Bigotterie und alles muss "big" sein, jeder kann es vom Tellerwäscher bis zum Millionär schaffen. Natürlich, Bryson erzählt aus der Distanz, des Alters und der gelebten Geographie eines eher intellektuellen Weltenbürgers. Aber welchen Horizont, über die endlosen Weizen- oder Maisfelder von Iowa hinaus haben diejenigen kleinen Leute dort, die nie eine Distanz gewinnen konnten; es nicht mal wirklich wollten, oder? Erinnerungen und Bezüge aus diversem eigenen Erleben, aus Gesprächen drüben mit Menschen unterschiedlichen Alters und verschiedener Herkunft kommen mir da beim Lesen wieder hoch, werden um weitere Facetten ergänzt.

Dennoch, zwei Themenkreise in diesem Buch sind über die vielleicht manchmal verklärten Kindheitserlebnisse und eben aus der Distanz und im Nachhinein schon tiefergehend. Einmal diese beinahe kindliche, vertrauensselige Naivität im Umgang mit der Atomkraft, den oberirdischen und dann unterirdischen Tests mit der H-Bombe. Manches an negativen Konsequenzen versteht nun wohl auch der eher einfache Mann auf der Straße drüben. Und dann die Erwähnung, die kritische Begleitung der McCarthy-Ära, die Hysterie und auch medial geschürte Angst vor nichtamerikanischen Umtrieben. Schäubles Gefährder sind da hier und heute schon beinahe fassbarer, realer als alles was damals eben dort an kritischem Geist stigmatisiert, diffamiert und (zumindest bürgerlich) oftmals vernichtet wurde.