15 Jan 2012

Lampedusa ist überall

Submitted by ebertus

Es sind ebenfalls Menschen, Schiffsbrüchige, dort bei Lampedusa oder vor den Kanaren, von denen man ab un zu hört, über die man schon mal lesen kann; in der Regel jedoch im Tenor des "wir" und "die", deren Schmarotzertum erkennend, deren Bestreben zu entlarven, es sich hierzulande in der sozialen Hängematte bequem machen zu wollen.

Und wo liegt nun der Unterschied zwischen "uns", den Kreuzfahrern mit modernster Technik und denen, die in den Nußschalen von modernen Sklavenhändlern sitzen, ggf. sterben und jenseits der durchaus sehr unterschiedlichen medialen Aufmerksamkeit? Wo liegt der Unterschied als Menschen, die wir doch alle mit Gottes Segen und per se gebürtlicher, umfänglicher Nacktheit auf diese Welt gegeben werden?

Ein Stück Plastik ist es...

Und ein hölzerner Steg, am Meer wohl und dennoch (später) erkennbar ins Nirgendwo weisend. Die beiden Figuren, vielleicht Vater und Sohn (oder Tochter), führen ein kleines Gespräch über die (mögliche) Angst vor dem Tod. Das Kind versucht den Vater aus der Reserve zu locken, denn "der Tod" mag schon eine gewisse Faszination erzeugen; soweit dies dem Alter, dem alten Menschen zugeschrieben werden kann, etwas Natürliches ist. Die anbrandende Musik, die dritte Figur dann, ist das bereits der Tod, der möglicherweise vorangehende Schrei?
 

 

Blende zum Eingangstext. Der Vater und das Kind in einem Boot dieser modernen Sklavenhändler vor Lampedusa. Das Boot schlägt  leck, der Tod ist nahe und wieder fragt das Kind. Diesmal möglicherweise mit eher schriller Stimme und die Musik, das Tanzen der skurrilen Gestalt in dem Video bekommt nun, vor diesem Hintergrund einen noch etwas bedrohlicheren Tenor. Natürlich, der Vater wird sein Kind beruhigen, ihm das Aufwachen aus einem Fiebertraum ermöglichen, oder?

Ein Zugang möglicherweise, ein anderer geht primär über die Musik. Pink Floyds "The Great Gig in the Sky" ist die darunter liegende Musik; für alle Leser ohne diesen, nicht unbedingt notwendigen Hintergrund. Das Thema ist der Tod und das Kind wohl doch eher ein Mädchen, eine Frau. Als ich obiges Video heute morgen "irgendwo" im Netz sah, die ersten Takte der Musik hörte, erzeugte es spontanes Nachdenken, Erinnern gar und gab den Anstoß für diesen Blogtext. Hier also das Video in einer Liveaufnahme von 1989 auf einer schwimmenden Plattform vor dem Markusplatz in Venedig.

 

Mehr zu Pink Floyd? Zu Richard Wright vielleicht? Es ist schon eine Weile her und der Text stammt aus einem anderen, nicht mehr existenten Blog. Die Beziehung zu diesem Konzert dort in Venedig, zum Mittelmeer als Quelle europäischer Kultur und Philosophie ist auch ein wenig gegeben. Wenige Tage nach diesem Ereignis, damals im Sommer 1989 war ich in Venedig. Auf der Durchreise, ja dem lediglich kurzen Aufenthalt via einer Nacht und des folgenden Tages; ehe es abends auf die Fähre ging in Richtung Griechenland und weiter bis in die Türkei. Und überall in Venedig waren noch Spuren dieses Konzerts zu erkennen, nicht zuletzt Menschen, die dabei gewesen waren; wie mir dieses Erleben eine junge Frau, aus der Gegend von Turin stammend, in begeisterten Worten nahe brachte.