28 Mär 2019

Ein klimagewandelter Schildbürgerstreich

Submitted by Bernd

Der e-mobile Hype treibt seltsame Blüten, wie die gerade bekannt gewordenen Pläne aus Berlin zeigen. Dessen öffentlicher Nahverkehr unter dem Management der BVG dürfte demnächst um eine skurrile Variante reicher sein.


Die BVG bekommt 225 E-Busse  schreibt der Tagesspiegel - und weiter ...

"Die Busse sind nicht nur deutlich teurer als konventionelle Technik, sie haben auch nur eine Reichweite von 150 Kilometern und sind deshalb nur begrenzt, also auf bestimmten Linien einsetzbar. Da die Eindecker über Nacht im Depot geladen werden müssen, müssen von den 150 km noch die Leerfahrten ins Depot abgezogen werden."

Starke Leistung! Die Leerfahrten von und zum Depot abgezogen ergibt dann nur noch gute 100 km Nutzreichweite. Schieben wäre auch eine Variante; oder mal die Greta-Fans fragen. Nicht erst seit diesem Tagesspiegel-Text will mir scheinen, dass sich die guten Konzerne eine lukrative zusätzliche Einnahmequelle an sogenannter Staatsknete erschlossen haben. Eine eh' bereits an ihr Ende gekommene, infrastrukturell wie ressourcenseitig eher einem Hütchenspiel gleichende unausgereifte Spielzeugtechnik der staunenden Allgemeinheit (wie dem Windhund den getränkten Lappen) so zu verkaufen, vor die Nase zu halten, dass alle nur fest d'ran glauben müssen, damit es wahr wird.

Bei der für diese neuen Berliner E-Busse verkündeten Reichweite von 150 km (brutto!!!) stellt sich mir dann gleich noch die im Tagesspiegel-Text nicht angesprochene Frage, nach den Rahmenbedingungen dieser tollen Leistung. Gilt das auch im Winter, bei Dunkelheit, bei Kälte, bei Regen und Schnee? Oder auch bei extremer Hitze, wo man sich bislang freuen durfte, wenn der Bus eine Klimaanlage hatte; die auch funktionierte ...

Oder ist es dann mit den Fahrten von und zum Depot schon beinahe gewesen ???

Und es schließt sich die nächste Frage an, wie es sich über den wohl noch notwendigen Fahrer hinaus mit der Beförderung bzw. der Belastung durch die geneigten Fahrgäste verhält.  Dürfen es durchgängig die angegebenen 65 Personen sein? Oder sind die 150 Kilometer (brutto) lediglich auf eine Durchschnittszahl (30 vielleicht) bezogen, die Reichweite in der Praxis und wenn es im Bus eng wird (Berufsverkehr etc.) noch deutlich unterschritten werden dürfte.

Noch eine, möglicherweise nicht die letzte Frage nebst Weiterungen stellt sich mir. Auf wieviele Ladezyklen (Lebenszeit) sind die mit Sicherheit nicht gerade kleinen Batterien (Akkus) ausgelegt? Und bringt die -hoffentlich schonende- Ladung über Nacht dann über die gesamte Lebenszeit eben diese genannten 150 Kilometer (brutto)  an Laufleistung? Die für aktuelle Lithium-Ionen Akkus nicht selten angegebenen, propagierten eintausend Ladezyklen beispielsweise wären dann nach rund drei Jahren erreicht. Und wer kennt es nicht, dieses Problem mit den älter werdenden Smartphones: sie halten auch bei (angezeigter) vollständigen Ladung nach zwei oder drei Jahren einfach nicht mehr so lange durch, wie im Neuzustand.

Was dann schlußendlich die Frage impliziert, ob die geplante Lebenszeit des Busses an sich mit der Lebenszeit des Akkupacks identisch ist. Oder ist erstere ggf. deutlich länger? In diesem Falle müssten dann wohl die Akkus nach zwei oder drei Jahren ausgetauscht werden; ggf. auch mehrmals, ansonsten dann wirklich nur noch für die Fahrt vom und zum Depot zu gebrauchen. Sind also die Kosten einschließlich der fachgerechten Entsorgung dieser eh' schon brandgefährlichen Ungetüme auch bereits in der hoffentlich nachhaltig ausgelegten Kalkulation enthalten?